Marie-Thérèse
ESCRIBANO

Unterricht

Marie-Thérèse Escribano Vita English Workshops

Marie-Thérèse Escribano Vita English  
 

WAS IST SINGEN

Sie kennen das sicher: Sie spazieren in der engen Gasse eines südlichen Landes und plötzlich ertönt aus einem offenen Fenster eine Stimme. Sie unterbrechen Ihren Gang um den Gesang anzuhören. Sie verstehen die Wörter nicht und doch sind sie zutiefst gerührt. Ist es eine Oma, die das Kind wiegt? Ein Bild voll Zärtlichkeit wird Ihnen geschenkt, sie fühlen Nähe und Vertrauen. Die Stimme geht ohne Umwege vom Herzen zum Herzen. Singen ist ein Urbedürfnis.  
Das Baby, das bereits als Ungeborenes Musik wahrnehmen kann, singt bevor es sprechen kann. Es lallt, gibt verschiedene Töne von sich. Eine natürliche Körperfunktion kommt in Bewegung. Der/die Erwachsene kann durch Singen Gefühle ausdrücken, für die das Wort nicht reicht. Allerdings nur, wenn die Gesangslust nicht – meistens in der Kindheit – verschüttet wird. In unserer Kultur wird leider aus dieser Funktion eine Leistung gemacht, die Funktion wird benotet:
"sie singt richtig, sie singt falsch." Oder: "pfui, du darfst mit den anderen nicht singen!" / "mach den Mund zu!" / "in unserer Familie singt niemand." (Vertreibung, Verbot).  
Schon ist es geschehen. Das Kind beginnt sich für seine Stimme zu genieren. Es presst die Lippen, verspannt den Kiefer etc. Es verbietet seiner Stimme zu klingen. Dieser Schaden beeinträchtigt sein Singen und auch sein Sprechen lebenslang. Es geht nicht darum, ob man Sänger werden will/kann – oder nicht, ob man
"richtig" singt, ob man ein Publikum hat... Das Singen ermöglicht das Ausschütten von Aggressionen, Ängsten, Leidenschaften; es ist wie eine Reinigung der Seele, eine Quelle des Glücks. Stimme mit Musik zu verbinden bietet uns farbigere Horizonte, schafft einen Ausgleich von Körper und Seele.  
Früher haben die Menschen öfters zusammen gesungen, sie haben damit – besonders bei feierlichen Anlässen – ihren gemeinsamen Gefühlen Ausdruck gegeben. Aber leider ist im Westeuropa diese soziale Aktivität außer Mode gekommen und viele wissen nicht, wo sie ihre starke Sehnsucht danach stillen können.  
Dass diese Sehnsucht in den Menschen lebt – wenn auch oft versteckt – wird wieder präsent, wenn in meinen Workshops nach gewissen Übungen die Stimme, die jahrelang gefangen war, endlich erklingt. Öfters muss der Teilnehmer, die Teilnehmerin weinen!  
Abgesehen von seelischer Befreiung bringt die Pflege des Gesangs auch Vorteile für die Sprechstimme. Singen fordert nämlich einen großen melodischen Bogen, so dass der Stimmapparat an Höhen und Tiefen bereichert wird. Die Sprechstimme wird melodiöser, verliert ihre Monotonie. Und weil man sich an die Melodie und den Rhythmus so wie an die Länge der Pausen anpassen muss, lernt man die Disziplin des Atems und die Gymnastik des Zwerchfells. (x)  
Wer sich für seine Gesundheit verantwortlich fühlt, sollte nicht vergessen, dass auch der Gesang einen Teil deren Pflege darstellen kann (Nervosität, Asthma, Depression etc.).  
Zum Schluss den Satz einer Schülerin, die mir auf meine Frage warum sie singen lernen will, antwortet:
"Ich bin das meiner Stimme schuldig!"

 © Marie Thérèse Escribano (Wien, Februar 04)

(x) Forscher der Frankfurter Universität haben bei einer Studie mit 40 Sängern eines Frankfurter Laienchors herausgefunden, dass Singen de Abwehrkräfte stärkt und die Stimmung hebt. Die Art der Musik die man singt, scheint unerheblich zu sein. Studienleiter Dr. Bastian deutet diese Ergebnisse so, dass Singen physiologische Vorgänge des vegetativen Nervensystems beeinflussen kann.

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